SONDERBAR

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sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden eine Hommage auf die Erzählung von Ernst Kreuder
Department für öffentliche Erscheinungen, Judith Egger, Beate Engl, Klaus von Gaffron, grauklang/Wolfgang Hurle, Uwe Oldenburg, Sigi Siegel, Herbert Woyke, Carolina Kreusch, Daniel Man, Samuel Rachl, Eva Ruhland, Wolfgang Stehle, Stefan Stefinsky, Martin Wöhrl, Nikolai Vogel
Ausstellungseröffnung: Montag 3. Dezember 2012, 19 Uhr
Begrüßung: Klaus von Gaffron Einführung: Jochen Meister, Kunsthistoriker
Ausstellungsdauer: 4. Dezember bis 31. Dezember 2012
Ort: streitfeld, Streitfeldstrasse 33, Rückgebäude/ 3.OG Dachboden, 81673 München, www.streitfeld.net
Kurator: Klaus von Gaffron

„Von der Kunst zum Beispiel erwarte ich immer wieder, dass sie die Realität der Abbilder, der Abziehbilder durchstößt und ins Irreale fortschwebt.“ Diesen Satz lässt Ernst Kreuder einen der Protagonisten seiner Erzählung Die Gesellschaft vom Dachboden aus dem Jahr 1946 aussprechen und charakterisiert damit die Ideale der vielen Künstlerzirkel die nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Trümmerbergen tagten. In seiner märchenhaften Erzählung ahnt Kreuder die „Aussteiger“ der 1970er Jahre voraus und lässt die Mitglieder eines auf dem Dachboden gegründeten geheimen Männerbundes frei vom Alltäglichen über die Werte des Lebens diskutieren. Diese Szenerie dient dem Kurator Klaus von Gaffron als Ausgangspunkt für die Ausstellung sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden. Er hat 15 Münchner Künstlerinnen und Künstler eingeladen, Arbeiten für den 400 qm großen Dachboden des Atelierhauses Streitfeldstrasse zu entwickeln. Vorgefundene Materialien bilden die Grundlage vieler Objekte. Im Nebeneinander mit den abgestellten Gegenständen auf dem Dachboden wird damit die Frage der Wertigkeit von Kunst heute aufgeworfen. Das verbindende Element zwischen Erzählung und Ausstellung bleibt das Geheimnisvolle in der Kunst.

Daniel Man:

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vlnr: Daniel Man, Judith Egger

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vlnr: Carolina Kreusch, Wolfgang Stehle, Martin Wöhrl

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Kurator Klaus von Gaffron bei der Eröffnungsrede

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Presseinformation

sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden
eine Hommage auf die Erzählung von Ernst Kreuder

Department für öffentliche Erscheinungen, Judith Egger, Beate Engl, Klaus von Gaffron, grauklang/Wolfgang Hurle, Uwe Oldenburg, Sigi Siegel, Herbert Woyke, Carolina Kreusch, Daniel Man, Samuel Rachl, Eva Ruhland, Wolfgang Stehle, Stefan Stefinsky, Martin Wöhrl, Nikolai Vogel

Ausstellungseröffnung: Montag 3. Dezember 2012, 19 Uhr

Begrüßung: Klaus von Gaffron
Einführung: Jochen Meister, Kunsthistoriker

Ausstellungsdauer: 4. Dezember bis 31. Dezember 2012

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16 Uhr bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 14 Uhr bis 18 Uhr (außer Sonntag den 23. Dezember 2012)

Ort: streitfeld, Streitfeldstrasse 33, Rückgebäude/ 3.OG Dachboden, 81673 München, www.streitfeld.net

Kurator: Klaus von Gaffron, Mobil 0172/8922682

„Von der Kunst zum Beispiel erwarte ich immer wieder, dass sie die Realität der Abbilder, der Abziehbilder durchstößt und ins Irreale fortschwebt.“ Diesen Satz lässt Ernst Kreuder einen der Protagonisten seiner Erzählung Die Gesellschaft vom Dachboden aus dem Jahr 1946 aussprechen und charakterisiert damit die Ideale der vielen Künstlerzirkel die nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Trümmerbergen tagten. In seiner märchenhaften Erzählung ahnt Kreuder die „Aussteiger“ der 1970er Jahre voraus und lässt die Mitglieder eines auf dem Dachboden gegründeten geheimen Männerbundes frei vom Alltäglichen über die Werte des Lebens diskutieren. Diese Szenerie dient dem Kurator Klaus von Gaffron als Ausgangspunkt für die Ausstellung sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden. Er hat 15 Münchner Künstlerinnen und Künstler eingeladen, Arbeiten für den 400 qm großen Dachboden des Atelierhauses Streitfeldstrasse zu entwickeln. Vorgefundene Materialien bilden die Grundlage vieler Objekte. Im Nebeneinander mit den abgestellten Gegenständen auf dem Dachboden wird damit die Frage der Wertigkeit von Kunst heute aufgeworfen. Das verbindende Element zwischen Erzählung und Ausstellung bleibt das Geheimnisvolle in der Kunst.

Die Künstlergruppe Department für öffentliche Erscheinungen (gegründet 1995 in München) erklärt den Dachboden des Atelierhauses zum Speicher für „Leerstellen“ im öffentlichen Raum, für Verschwundenes – Gegenstände, Personen, Regeln, Verhaltensweisen, Geräusche oder Medien. Ihr partizipatives Konzept public [dis]appearance macht das Verschwinden mit einer Aktion und einer Videoarbeit auf unterschiedlichen Ebenen in der Ausstellung sichtbar. Mit der Frage „Was ist aus dem öffentlichen Raum verschwunden?“ werden die Besucher aufgefordert, ihre persönliche Wahrnehmung auf einer Postkarte darzustellen. Alle Postkarten werden an einer Wand gesammelt. Das Video 10 Seconds zeigt den Abbau von öffentlichen Telefonzellen und weist auf die Unmöglichkeit hin heute noch ein privates Gespräch im öffentlichen Raum führen zu können.

Judith Egger (*1973 in München) setzt sich in ihren Installationen und Performances vornehmlich mit biologisch motivierten Prozessen auseinander. Das Organische des Wachsens, des Werdens und der Transformation von Materie und Energie beschäftigen sie kontinuierlich. In ihrer Installation Gewölle – Konkokt in Bewegung (2012) formt sie Spinnenweben, Fliegenreste, Getrocknetes Gekröse, Staub und anderes undefinierbares Material zu Gebilden, die von der Decke des Dachbodens herunterhängen. Der Raum erfährt damit eine mystische Aufladung: was geht hier hinter verschlossenen Türen vor? Welche Lebewesen treiben hier ihr Unwesen?

Beate Engls (*1973 in Regen) Installationen befinden sich stets an der Grenze zwischen Realität und Fiktion. Anhand physikalischer Irritationen wie Vibration, Drehung oder Reflektion versetzt sie Objekte des Alltäglichen in neue Zustände und beeinflusst damit die Wahrnehmung des Betrachters. Ihre Arbeit Druhá smena (2011/2012) besteht aus einem Megaphon-Lautsprecher, einer Modelleisenbahn-Lampe, roten LEDs und einem Motor, der Lautsprecher schaukelt durch die Drehbewegung der Modelleisenbahn-Lampe gesteuert hin und her. Zu hören ist der verzerrte Klang eines Mixes aus verschiedenen kommunistischen Propagandafilmen über den euphorischen Bau der slovakischen Eisenbahnlinie Trať Mládeže (Strecke der Jugend), die 1949 von Jungpionieren aus aller Welt fertiggestellt wurde.

Klaus von Gaffron (*1946 in Straubing) arbeitet als Künstler und Kurator. Als Künstler ist er für seine experimentellen Fotografien und ortspezifischen Performances bekannt. Um unsere Sehgewohnheiten in Frage zu stellen experimentiert er in seiner Fotografie mit Licht und kehrt dabei das mystisch rätselhafte von Alltagsobjekten hervor. Auch seine Installation auf dem Dachboden spielt mit diesen Elementen: zwei Plastikraben sitzen auf Stehlen im Raum. Sie sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet und sprechen die Besucher mit den Worten “sonderbar” und “einzigartig” an. Diesen subtilen Kommentar auf die Ausstellung auf dem Dachboden hat von Gaffron Kreuders Erzählung entliehen, in der ein zahmer Rabe vorkommt, der das Wort “sonderbar” aussprechen kann.

Carolina Camilla Kreusch (*1978 in München) ist Bildhauerin und Objektkünstlerin. Ihre Installationen aus Pappe, mit pastellfarbenem Hochglanzlack bemalt, durchwuchern raumgreifend den Ausstellungsort. Sie wirken organisch, fast fleischlich, erinnern an Wucherungen und Haut und nehmen trotz dieser so menschlichen Züge eine fremde, undurchschaubare Systematik an. Kreusch klebt, montiert, sägt und lackiert die Einzelteile ihres Kosmos. Kommt der Besucher den Objekten näher verwischen die Grenzen zwischen ihm und der Kunst ganz plötzlich und ungewollt.

Daniel Man (*1969 in London) geht in seiner Arbeit prozessorientiert vor. In seiner Malerei beschäftigt er sich mit Fragen von Ästhetik, Symbolhaftigkeit und Raum. Anleihen alter Traditionen und Symbole aus dem Volksglauben finden sich in vielen seiner Arbeiten. Er übersetzt die jeweiligen Urtypen in seine Formsprache und verändert sie bis zur Unkenntlichkeit. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Bildelementen funktionieren nach einer ganz eigenen Logik und verleihen der Malerei einen collageartigen Charakter. Mans Wandarbeit game over, but never mind (2012) orientiert sich an Schlagzeilen aus der aktuellen Tagespresse. Diese entnimmt er dem Kontext und codifiziert sie als geometrische Formen auf der Wand.

Samuel Rachl (*1941 in Traunstein) wurde durch seine Installations-Performances mit Angela Dauber bekannt. Für diese Ausstellung hat er sich jedoch für die Zeichnung als unmittelbarste Kunstform entschieden. Mit reduzierter Farbigkeit und schwarzen Linien auf weißem Papier entwirft er eindringliche Szenen des Alltäglichen. In collagehaften Kombinationen einzelner Bilder auf der Wand entwickelt Rachl abstrakte Narrationen, die Platz lassen für die Vorstellungskraft und Assoziationen des Betrachters. In ihrer Fragmenthaftigkeit bewahren die dargestellten Szenerien den Eindruck des Momenthaften. Auch seine auf dem Dachboden gezeigte Arbeit November 2012 (2012) zeichnet sich durch ungewöhnliche Anschnitte und weitgehende Aussparungen aus, mit wenigen Strichen wird hier die Einfachheit des Alltags dargestellt.

Eva Ruhland (*1961 in München) arbeitet mit den Medien Fotografie und Film. Die Videoinstallation Schatzkammern (2012), die sie in der Ausstellung sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden zeigen wird, bezieht sich auf das Motiv der Schatzsuche, das in Kreuders Erzählung eine Rolle spielt. Auf sieben Monitoren werden „Schatzkammern“ persönlicher und künstlerischer Werte von Händen ständig verändert. Zu den Schätzen zählen biografische und historische Dokumente, Briefe, Fotografien, künstlerische Objekte und Videosequenzen. Die sich stetig verändernden Stillleben bilden dabei ständig neue Bedeutungszusammenhänge.

Wolfgang Stehle (*1965 in München) beschäftigt sich mit dem Erscheinungsbild außerstädtischer Kulturlandschaften. Seine architektonischen Skulpturen – meist aus alltäglichen Materialien hergestellt – zeigen dabei den inhaltlichen Wandel vom funktionalen Gebäude zum Kunstobjekt. Seine autonomen, funktionslosen Objekte erinnern in ihrer rudimentären Formgebung an Architektur, irritieren letztlich aber nur unsere Assoziation mit gebauten Vorbildern. Auch seine Skulptur Tony Orlando`s House (2009) funktioniert nach diesem Schema: Um eine schwarz gestrichene architektonische Grundform aus Holz sind in camouflageartigen Farben dünnere Holzplatten angebracht. Die abstrahierte architektonische Form befindet sich in einem ästhetischen Moment des Verfalls. Stehle interessiert sich hierbei insbesondere für das Sichtbarmachen des Auflösungsprozesses einer äußeren Form.

Nikolai Vogel (*1971 in München) arbeitet als Schriftsteller und Bildender Künstler. Für seine Installationen benutzt er häufig aussterbende Medientechnologien und verweist damit auf die Flüchtigkeit des als aufbewahrt Geglaubten. In der Ausstellung zeigt Vogel zwei Arbeiten: in ET Data (2012) stellt er zwei Computer Backup Tapes gegenüber. Die herausgezogenen Bänder tasten sich im Raum vor, greifen in die Luft, Richtung Himmel, und berühren sich in ihren Spitzen. Ein minimaler Kontakt. Ein fragiler Versuch, Information auszutauschen. Die Arbeit spielt mit Assoziationen wie zum Zeigefinger eines Außerirdischen und zum Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo. Die Archivkassetten verweisen zudem auf den Dachboden als Speicher und nehmen die Form einer minimalen Spinnwebe an. Coriolan (2012) zeigt die Hülle einer Beethovenplatte – jedoch ohne Inhalt. Stattdessen ist auf dem Cover eine kleine Data Cartridge angebracht. Auch hier thematisiert Vogel die Problematik des stetigen Medienwandels und die damit einhergehende Unmöglichkeit, das Immaterielle von Information zu fixieren.

Martin Wöhrl (*1974 in München) spielt in seinen Installationen mit Elementen von Skulptur, Design und Architektur. Er verwendet vornehmlich gefundene oder billige Materialien und baut daraus Remakes begehrlicher Objekte. Unter dem Dach zeigt er eine sinnliche Wandarbeit mit dem Titel Sonne (2012). Dafür werden alte Türen zersägt und kreisförmig zusammengesetzt. Der Titel ist der verwendeten Lackfarbe mit dem Namen Brillux “Sonnengelb” entliehen. Darüber hinaus entwickelt Wöhrl die Bodenarbeit Step (2012) aus 91 Waschbetonplatten, die auf dem Dachboden lagern. Zusammengefügt zu einer tribünenartigen Struktur erinnert die Arbeit an die minimalistischen Skulpturen Carl Andres.

Veranstaltungen
13. Dezember 2012, 19 Uhr

Nikolai Vogel liest aus seinem Roman Spam Diamond
Während wir in seinen Installationen häufig auf analoges und digitales Tapematerial stoßen, bekommen wir es in seinem neuen Buch mit E-Mails zu tun – Spam-Mails: Inmitten der täglichen Spam-Flut entdeckt ein junger Münchner Computerjournalist eines Tages eine mysteriöse E-Mail, in der ihm mitgeteilt wird, dass 3000 Euro auf sein Konto überwiesen wurden. Tatsächlich ist das Geld auch dort eingegangen. Weitere Mails folgen, die konkrete Aufträge enthalten: Er soll Kurierdienste zwischen München und Antwerpen für einen Diamantenschmugglerring übernehmen. Als Entschädigung bekommt er in Antwerpen die Prostituierte Véronique zur Seite gestellt, deren Anziehung er heillos verfällt und immer tiefer in ein Doppelleben rutscht. Nikolai Vogel erzählt seinen Debütroman mit hohem Tempo, voller Nervenkitzel und unerwarteter Wendungen bis zur letzten Seite.

Performance von Grauklang Aus der Zeit – ein Gespräch
Wolfgang Hurle, Uwe Oldenburg, Sigi Siegel und Herbert Woyke
In einem Dachraum ist zwischen abgestelltem Mobiliar eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst aufgebaut. Um einen Tisch sitzen vier Männer. Es herrscht Arbeitsatmosphäre am Tisch. Es soll eine neue Performance konzipiert werden, deren Ausgang die  Erzählung Die Gesellschaft vom Dachboden von Ernst Kreuder bildet, und die in einer zeitgenössischen Ausstellung zu diesem Text zur Aufführung kommen soll.

Performance Staub (2. Teil)
Stefan Stefinsky, Günther Basmann, Ardhi Engl
Zwei Koffer, ein Tisch, zwei Stühle, eine Spieldose, eine alte Stereoanlage. Diese antiquiert wirkenden Gegenstände scheinen seit der Ausstellungseröffnung auf dem Dachboden abgelegt worden zu sein. In Wahrheit stellen sie das Setting für die Performance Staub dar: Drei Musiker benutzen die Gegenstände als Percussioninstrumente. Mit der Stereoanlage wird davon eine Aufnahme gemacht die wiederholt überspielt wird, dadurch nimmt das Rauschen auf den Aufnahmen zu. Staub legt sich auf die Dinge. Der Prozess der Geschichtswerdung wird im Zeitraffer musikalisch interpretiert.

Wintersonnenwende EQUINOX
21. Dezember 2012, 19 Uhr
Performance Staub (3.Teil)
Stefan Stefinsky, Günther Basmann
Als Teil drei seiner Performancereihe Staub ist EQUINOX zu Gast bei sonderbar – Die Gesellschaft vom Dachboden.
EQUINOX knüpft an eine alte Tradition an, die Jahreszeiten mit einem Ritual zu begrüßen. Der Musiker Stefan Stefinsky improvisiert mit Kollegen frei nach dem Grundthema der Jahreszeit. Die Wahl der Instrumente spiegelt die jahreszeitliche Stimmung.

Finissage
31. Dezember 2012, 19 Uhr

Weiteres Material und Bilder unter

Gefördert durch

Streitfeld, Lf A, Landeshauptstadt München Kulturreferat

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern E.V.